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Taubertal 2010 - Review

Was für ein Abgang ! Das Konzert auf dem ausverkauften Taubertal, krönender Abschluß der IMD.Ära war mit Sicherheit das Highlight des Jahres. The Prodigy - sicher nicht ganz so laut wie gewohnt - aber um so besser gelaunt, gaben eine grandiose Show vor einer der schönsten Kulissen und einem fantastischen Publikum. Damit avancierte dieses Konzert zum abslouten Highlight des deutschen Konzertjahres 2010.

Geschätzte 15000 Leute (meine Schätzung, weil genaue und offizielle Zahlen gibts nicht) umjubelten Sonntag abend die hervorragend aufgelegten Jungs von The Prodigy und bekamen im Gegenzug die Show des Jahres und den denkbar besten Abschluß des 15. Taubertals präsentiert. Gewohnt grell, schnell und wahnsinnig direkt prügelten The Prodigy Klassiker und Songs des aktuellen Albums Invaders Must Die durch die überdimensionierten Boxentürme in die angeneTaubertal 2010: The HivesTaubertal 2010: The Hiveshm warme Spätsommernacht. Wie immer kamen die Jungs sofort auf den Punkt. Schon der erste World's on Fire-Paukenschlag versetzte das wartende Publikum förmlich in Extase. Das dieses Hochgefühl bis zum finalen Abgang nicht mehr nachlassen, sondern durch Gassenhauer wie Smack my Bitch Up und Firestarter stets noch seine Verstärkung finden sollte, braucht man einem erfahrenen Prodigyfan nicht weiter zu erörtern. Unter dem deutlich jüngeren Publikum fanden sich aber einge "Neulinge" die angesichts der unfassbar gewaltigen Energie und das Spektakel auf der Bühne mit offenem Mund mitverfolgten. Waren The Hives, die direkt vor The Prodigy das sonst so beschauliche Taubertal kräftigts beschallten und dabei die Masse im festen Griff behielten, schon laut und energiegeladen, dass die Luft fast zu knistern schien. So spielten The Prodigy alle Trümpfe aus und stellten die, an sich grandiose The Hives-Show , in den Schatten und verwiesen die Skandinavier in ihre Grenzen. Am Ende blieb nach einem grandiosen Prodigykonzert ein sichtlich ausgepowertes, auf alle Fälle aber zufriedenes, Publikum und eine Band die diesen gelungenen Abgang genossen hat. Einmal mehr hat Deutschland bewiesen, dass hier Prodigy-Revier ist.

Das Prodigykonzert auf einer idyllisch in die Landschaft eingepassten Bühne, vor der grandiosen und malerischen Kulisse der, des Nachts beleuchteten , Rothenburg statt. Abgerundet wurde das Bild von der , in dem engem Talkessel schier überwältigenden, Menschenmasse, die sich leicht auf die seitlichen Hänge verteilte. So hatte die Szenerie Taubertal2010.SchlammschlachtTaubertal2010.Schlammschlachtschon fast etwas von einem natürlichen Amphitheater. Der starke Regen der vergangenen Tage, am Donnerstag hat es in Rothenburg extreme Regenfälle gegeben, die die Anreise und die Festivalbedingungen nicht sonderlich einfacher gestalteten, brachten dem ganzen den nötigen Woodstock-Touch bei. Auch wenn die Veranstalter beste Arbeite geleistet haben, verblieben doch hier und da einige schlammige Bereiche in und um das Festivalgelände. Diese letzten verbliebenen Modderpfützen wiederum hielten einige geneigte Festivalbesucher nicht davon ab, selbige für gepflegte Schlammbäder zu nutzen. Was die dementsprechende, und hoffentlich auch durchaus gewollte, Wirkung auf die Gesamterscheinung ausübte. Das übrige Partyvolk - mal mehr, mal weniger eingesaut - wurde nicht minder kreativ tätig und übte sich in sportlicher Körperertüchtigung par excelance. Menschenpyramiden, Crowdsurfen in allen olympischen Normen und Mosphits in allen denkbaren Größenordnungen zeugten vom Schaffensdrang der Taubertal-Besucher. 
Über allem stand, das muß hier unbedingt erwähnt werden, eine stets souveräne, nie pappige oder profilsüchtige Securitymannschaft, die trotz der Sporteinlagen so mancher Festivalbesucher nie den Überblick verloren hat. Das hat man an anderer Stelle schon ganz anders gesehen. Im Großen und Ganzen machte das gesamte Festival einen extrem ruhigen und ausgeglichenen Eindruck. Kein übermäßiger Alkoholkonsum, keine Rangeleien .... ein schon fast friedliches Miteinander. Hervorragend. So wohl habe ich mich schon lange nicht mehr auf einem Festival gefühlt.

Taubertal 2010: stageTaubertal 2010: stage

Doch kommen wir zum eigentlichen Konzert.
Taubertal.2010: next THE PRODIGYTaubertal.2010: next THE PRODIGYMan merkte dem Set die Nachwehen von Milton Keynes hörbar an. Mit der Neuauflage von Colours (bislang nur in München 2009 gespielt) gelang es der Band sogar mir alten Haudegen ein gewisses Gänsehautfeeling abzurufen. Diverse Änderungen - meines Erachtens wurde wieder an Their Law herumgebastelt - taten ihr übriges um die Show wesentlich runder wirken zu lassen. Firestarter und Run funktionierten in dem Talkessel wesentlich geschmeidiger als noch zuletzt auf dem verregneten und zugschlammten Southside. Zudem machte die ganze Show einen wesentlich frischeren und runderen Eindruck. Das fade Gefühl einer ausgepowerten Band, wie zuletzt streckenweise auf der Deutschlandtour, machte sich überhaupt nicht breit. Man hatte stets das Gefühl, das hier kann nicht mehr getoppt werden. Das alles macht, im Fazit, den Taubertal-Gig zum sicherlichen besten deutschen Konzert des Jahres 2010. Sicher - er erreichte nie Qualitäten von Rock am Ring 2008, aber sehr viel hat hier nicht mehr gefehlt. In diesem Blickwinkel ist es schade, dass der Zauber jetzt erstmal vorbei ist. Die Band zieht sich im September aus dem Livegeschehen zurück und geht ins Studio.Mit neuen Songs und neuem Album versprechen The Prodigy ihr Comeback in Deutschland. Und dann sicherlich auch wieder in Taubertal.

photos: [c] Herr Stern 2010


weiterführende Links: Fotostrecke

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